Schluss mit Hochglanz. Warum 2026 nicht perfekter, sondern menschlicher wird
Es gibt einen Moment, den viele gerade spüren, ihn aber noch nicht klar benennen können: Ermüdung. Nicht vom Scrollen an sich – sondern von dem, was wir dort sehen.
Perfekte Visuals. Austauschbare Hooks. Glatte Texte ohne Ecken, Kanten oder erkennbare Haltung.
Und zunehmend: Inhalte, bei denen man nicht mehr weiß (oder es ziemlich sicher weiß), dass sie nicht von einem Menschen stammen.
Willkommen in der Post-Hochglanz-Phase.
Die große Ironie der KI-Ära
KI sollte Content demokratisieren. Und das hat sie getan. Heute kann jede Marke, jedes Startup, jede Einzelperson in Minuten „professionelle“ Inhalte produzieren. Strategisch sauber. Formal korrekt. Visuell makellos.
Das Problem:
Wenn alle alles können, ist Können kein Differenzierungsmerkmal mehr.
Was wir stattdessen erleben, ist eine massive Nivellierung:
- gleiche Tonalitäten
- gleiche Strukturen
- gleiche Versprechen
- gleiche Ästhetiken
Nicht, weil Menschen keine Ideen mehr haben – sondern weil Algorithmen sehr gut darin sind, Mittelmaß zu optimieren.
Die einsetzende Müdigkeit
Daniel Hoffmann (Tacsy) bringt es in einem vielzitierten Gedanken auf den Punkt: Die schiere Menge an KI-Content und Hochglanz-Creator-Inhalten erzeugt eine neue Form von Erschöpfung. Nicht visuell – sondern emotional.
User:innen merken:
- „Das könnte jede:r sagen.“
- „Das fühlt sich korrekt an, aber nicht ehrlich.“
- „Ich weiß nicht, wer hier eigentlich spricht.“
Und genau hier kippt etwas.
Vertrauen entsteht nicht durch Perfektion
Marken haben über Jahre gelernt: Konsistenz. Sauberkeit. Kontrolle. CI-Treue bis ins letzte Pixel. Was dabei oft verloren ging, ist das, was Vertrauen tatsächlich erzeugt:
- erkennbare Perspektive
- persönliche Entscheidung
- ein Standpunkt, der auch angreifbar ist
Menschen vertrauen nicht dem Perfekten. Sie vertrauen dem Nachvollziehbaren.
Ein Text darf stolpern.
Ein Gedanke darf unfertig sein.
Ein Design darf atmen.
Nicht, weil es „lässig“ ist – sondern weil es echt wirkt.
2026 wird kein einfaches Jahr. Und genau deshalb hoffentlich menschlich.
Die kommenden Jahre werden:
- datengetriebener
- stärker reguliert
- komplexer in Technologie und Distribution
Gleichzeitig steigt der Wunsch nach Orientierung. Und Orientierung entsteht nicht durch noch mehr Content, sondern durch Haltung.
Marken, die 2026 relevant bleiben wollen, werden nicht die sein, die:
- am meisten posten
- am schnellsten adaptieren
- am lautesten skalieren
Sondern die, bei denen man sagen kann: „Ich weiß, wofür sie stehen. Und wofür nicht.“
Der Wert des Handgemachten
„Handgemacht“ heißt nicht unprofessionell. Es heißt:
- sichtbar entschieden
- bewusst formuliert
- nicht vollständig glattgeschliffen
Ein handgemachter Inhalt trägt Spuren seines Absenders. Und genau diese Spuren sind es, die hängen bleiben. Ironischerweise wird echte Authentizität damit wieder aufwendig:
- weil man nachdenken muss
- weil man Nein sagen muss
- weil man nicht jede Abkürzung nimmt
KI kann dabei helfen. Aber sie darf nicht sprechen anstelle der Marke.
Was das für Marken konkret bedeutet
Ein paar unbequeme, aber notwendige Fragen:
- Würde man eure Texte auch dann erkennen, wenn das Logo fehlt?
- Gibt es Aussagen, die ihr bewusst nicht trefft?
- Traut ihr euch, Gedanken zu veröffentlichen, die nicht 100 % abgesichert sind?
- Gibt es Menschen hinter der Marke, die sichtbar sprechen dürfen?
Wenn die Antwort überall „nein“ ist, liegt das Problem nicht im Algorithmus.
Pepper & Brain Perspektive
Wir sehen es täglich in Projekten: Je mehr KI-Tools verfügbar sind, desto wichtiger wird die strategische Reduktion.
Nicht:
„Was können wir alles sagen?“
Sondern:
„Was sagen nur wir?“
Nicht:
„Wie wirken wir professionell?“
Sondern:
„Wie wirken wir glaubwürdig?“
Der größte Fehler 2026 wird nicht sein, KI zu nutzen. Der größte Fehler wird sein, sie unreflektiert sprechen zu lassen.
Fazit: Weniger Glanz. Mehr Gewicht. Mehr Tiefe.
Die Zukunft gehört nicht dem lautesten Content.
Sondern dem, der etwas aushält:
- Widerspruch
- Langsamkeit
- Persönlichkeit
Authentizität wird kein Buzzword mehr sein, sondern ein Prüfstein. Und sie lässt sich nicht prompten.
Man kann sie nur entscheiden.
Vielleicht interessiert dich auch das? > Hier ist ein Link zum weiterlesen: https:https://digiday.com/media/after-an-oversaturation-of-ai-generated-content-creators-authenticity-and-messiness-are-in-high-demand///digiday.com/media/after-an-oversaturation-of-ai-generated-content-creators-authenticity-and-messiness-are-in-high-demand/